Die Palast-Katzen | CATS TODAY Magazin
Aus Ausgabe 3/2015

Die Palast-Katzen

Seit jeher gibt es sie: die Katzen der Eremitage. Sie werden in dem berühmten Kunstmuseum umsorgt und revanchieren sich auf ihre eigene Art.
Die Palast-Katzen der Eremitage in St. Petersburg © Thomas Brodmann / animals-digital.de


Hier scheint alles von unschätzbarem Wert. Nahezu jedes schmückende Kapitell ist mit Gold verziert, große glitzernde Kronleuchter hängen von hohen Decken herab, und in jedem der rund 350 majestätischen Säle sind andere Kostbarkeiten zu finden. Die Rede ist von der Eremitage in St. Petersburg.

Sie ist eines der wohl bedeutendsten Kunstmuseen der Welt und beherbergt rund drei Millionen Objekte. Darunter auch Werke von berühmten Künstlern wie Rembrandt, Leonardo da Vinci und Pablo Picasso.

Von damals bis heute

Aber lassen Sie sich überraschen. Denn das ist noch lange nicht alles, was es über die Eremitage zu erzählen gibt. Hinter türkisfarbenen Mauern des Palastes verbirgt sich nämlich das Zuhause von über 50 Samtpfoten. Und das schon seit Hunderten von Jahren.

So schickte die Zarin Elisabeth Petrowna um das Jahr 1745 Boten mit dem Befehl, „die größten und besten Katzen zu fangen und unverzüglich an den Hof zu bringen“ in das mehr als 1000 Kilometer entfernte Kasan. Der Grund: Eine Ratten- und Mäuseplage herrschte zu dieser Zeit in der Gegend. Und wer eignet sich zur Bekämpfung dieser Plage besser als die hellhörigen Wächter auf leisen Pfoten?

Heute ist das Schicksal der Mäusefänger ein anderes. Sie sind meist ausgesetzte und gerettete Straßenkatzen, die in der Eremitage ein Heim gefunden haben. Zwar dürfen sie nicht durch den gesamten Gebäudekomplex streifen, aber der Keller und die Höfe sind ihr Revier.

Beispielhaftes Personal

Hier wird sich aufopferungsvoll um sie gekümmert. Denn einige der Angestellten der Eremitage fühlen sich für die Samtpfoten verantwortlich. Sie helfen der Wachpersonal-Chefin Tatiana Danilova, die Tiere zu verpflegen. Jede Katze soll etwas zu essen haben und jede soll medizinisch versorgt werden können. Für die Futter-Zubereitung gibt es in einer Nische sogar eine kleine Küche. Dort werden für die Katzen Hühnerköpfe und Geflügelreste gekocht.

Außerdem versuchen die Helfer, den Keller so gemütlich wie möglich zu machen – mit Bettchen, Decken und allem, was dazugehört.

Um die Versorgung der Tiere zu finanzieren, raufen sich die Mitarbeiter der Eremitage immer wieder zusammen: Wird der Lohn ausgezahlt, gibt jeder, der kann, etwas von seinem Geld für die Katzen ab.

Altbewährte Regeln

Manchmal wird es auch in der geräumigen Eremitage eng, und die Zahl der Tiere, die neu ankommen, nimmt überhand. Denn die Menschen, die ihre Tiere zurücklassen, sind sich sicher: Meinem Tier wird geholfen. Und das versuchen die Tierschützer mit aller Kraft – auch in Zeiten, in denen die Kellerräume völlig überfüllt sind. Dann wird für einige Katzen ein neues, gutes Zuhause gesucht.

Um zu vermeiden, dass die Katzen sich vor Ort unkontrolliert vermehren, gilt zudem schon seit der Zeit von Zarin Elisabeth eine altbewährte Regel: Jedes Tier, das Palastkatze ist und es auch bleiben will, muss kastriert sein.

Wächter der Schätze

Angst, dass Mäuse oder Ratten zu den Kunstwerken vordringen und sie beschädigen, muss heute niemand mehr haben. Sie trauen sich schon lange nicht mehr auf das Gelände der Eremitage. Tag für Tag beschützen die samtpfotigen Wächter wachen Auges die wertvollen Schätze des Museums. Vielleicht, um sich auf ihre Art für die entgegengebrachte Liebe zu revanchieren.

Text: Marcus Hellkötter

 

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